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Zu: "Oktobertee"

Versponnene Spinner
Man muss sie, je mehr man sich eingelesen und eingelassen hat, einfach liebhaben, diese Ansammlung von versponnenen Spinnern und spinnerten Versponnenen, mit denen Margot Schroeder ein Hamburger Haus literarisch bevölkert hat. Zumal es sich um ganz gewöhnliche Leute handelt, also um Angeschlagene, Zermürbte, Abgestoßene, Alte und JUnge, denen nur eines gemeinsam ist, in einer Hausgemeinschaft ihre Verschiedenartigkeit ohne Ellenbogen leben zu wollen.
Da ist die leichttratschige, leichtknatschige, spießigputzfimmlige Martha, die den eher lebenslustig gestandenen Holzbein-Erwin liebt, der - was für ein Bild! - ständig an neuen Ersatzholzbeinen schreinert und schnitzt und mit dem sie eine kompliziert-schöne Liebesgeschichte hat.
Da ist Agnes, eine ehemalige Lehrerin, die tagsüber etepetete und linialkorrekt die sozialen Angelegenheiten der Hausgemeinschaft regelt und organisiert und nächt heimlich Nonsensgedichte ins Internet stellt.
Da ist der spiegel- und kleiderverliebte Transvestit Paul-Paula, der gute Geist und die gute Fee des Hauses zugleich, das von der Vergeblichkeit sozialberuflichen Strebens mürbe Sozialarbeiterehepaar, das dennoch nicht aufgibt, die von der Abkassiergesellschaft abgestoßene, bluestraurige Lisa, der, im Rahmen dieser lebenswürdigen Gemeinschaft, respektvollere Erfahrungen zu stoßen.(...)
Margot Schroeder versteht es, mit Anteilnahme und Distanz, mit Mitleid, Ironie und Humor, aus ihren Personen (nicht nur) literarische Lebendigkeit herauszuschreiben. Wo sie auf den ersten Alltagsblick farblos erscheinen mögen, entdeckt die Autorin die Buntheit. Margot Schroeder beschönigt ihre Figuren nicht, sie verrät sie aber auch nicht. Diese Kunst der Balance sorgt für die Spannung und die Lust, das Buch in einem Zug und bis zum traurigbitteren, anrührend bewegenden Ende lesen zu wollen.
Und was der titelgebende "Oktobertee" ist und sein soll? Ein bekanntes beflügelndes und berauschendes Getränk, das, in seinen Maßen genossen, zur Lebensfreude beiträgt. Wie Margot Schroeders kleiner, schön-großer Roman.
Nürnberger Nachrichten 1998, Peter Maiwald.
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